Die Kunst der erotischen Fotografie – Interview mit Tom Rider

Tom Rider aus Augsburg hat sich auf niveauvolle, erotische Fotografie spezialisiert. Er kombiniert seit über 20 Jahren hübsche Ladys mit außergewöhnlichen Locations. Wir haben mit ihm über seine Arbeit, sein bildnerisches Vorgehen und seinen Umgang mit den Models gesprochen. Dabei hat er uns interessante Einblicke in die Kunst der erotischen Fotografie gegeben. 

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Seit der Antike fasziniert die unverhüllte Weiblichkeit. Jede Kunstsammlung verfügt über Akt-Porträts. Sogar im Petersdom gibt zahlreiche Gemälde und Skulpturen nackter Körper. Nacktheit begegnet einem heute mehr denn je. Dennoch ist dieses Genre immer eine Gratwanderung zwischen Kunst und Porno. Akt-Fotografie ist eine Kunst, die nicht viele beherrschen. 

Tom, was ist deiner Meinung nach das Wichtigste an erotischer Fotografie? 

Das Zusammenspiel mit dem Model und die Lichtsetzung. Nur darauf habe ich als Fotograf Einfluss. Und der professionelle Umgang miteinander. Vor und hinter der Kamera muss darüber Einverständnis herrschen, dass wir einzigartige Fotos zaubern möchten. Nicht mehr und nicht weniger. Ich suche kein sexuelles Abenteuer, keine neue Liebe, sondern das ultimativ faszinierende, erotische Foto. Da unterscheide ich mich vielleicht von anderen Fotografen.

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Wie kann man Sinnlichkeit in einem Foto einfangen? 

In erster Linie prägt das Model mit Posen, Mimik und Körperhaltung das Bildmotiv. Der Fotograf trägt mit Licht, Blick, Stand und Ausschnitt entscheidend zur Bildwirkung bei. Eine Frau mit null Gespür für Sinnlichkeit werde ich kaum sinnlich ablichten können. Aber vielleicht eignen sich gerade diese Lady für das laszive, erotische, knisternde Fotomotive? Die Kunst ist es, ein Gespür zu entwickeln, was für das jeweilige Model am besten passt. Und dieses individuelle Faible gilt es herauszuarbeiten. Da unterscheidet sich ein hübsches, unerfahrenes Mädel von einem Topmodel. Ein wirkliches Profimodel kann jede Rolle einnehmen – vom schüchternen Mädchen bis zum verführerischen Vamp. 

Bezüglich der Akt-Fotografie gibt es viele Vorurteile? 

Ich glaube 99 % der Leute haben eine falsche Vorstellung von einem Akt-Shooting. Gute Fotos entstehen nicht einfach so, sondern sind harte Arbeit von Fotograf und Model. Zumindest bei mir ist das so. Leider gibt es unzählige Knipser, die eine Kamera nur als plumpen Vorwand nutzen. Von solchen Typen distanziere ich mich entschieden. Bedauerlicherweise sind viele Mädels sehr blauäugig und GNTM geblendet und glauben an die schnelle, große Karriere. Aber zu einem Topmodel gehört deutlich mehr.

Was zeichnet ein Topmodel aus?

Zuverlässigkeit, Umgangsformen, abwechslungsreiche Mimik, gutes Posing und Körpergefühl, Ausdauer – und gutes Aussehen

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Was macht erotische Fotografie aus? 

Erotische Bilder sind ein gegenseitiges Öffnen, ein Schritt in die persönliche Intimität. Die Kunst ist es,- den feinen Unterschied zwischen „Nackt“ und „Nude Art“ zu kennen. Natürlich liegt es dann immer noch im Auge des Betrachters, ob das Bild gefällt und fasziniert. Wenn aber ein Model stolz auf die gemachten Bilder ist und sie die Fotos ihren Eltern, ihrem Partner und anderen zeigt, dann habe ich mein persönliches Ziel erreicht.

Was unterscheidet deine Fotos von denen anderer Fotografen?

Ich versuche immer, tolle Frauen mit außergewöhnlichen Örtlichkeiten zu kombinieren. Also nicht grazile Körperartistik in vor Leinwandkulisse, sondern spektakuläre Set mit erotischen Frauenkörpern. Ich suche nach Ambiente, das auch dem Model ein „wow“ entlockt. Insofern sind Schlösser, Museen, Gourmet lokale meine bevorzugten Locations.

Welche Rolle spielt das Licht bei deiner Arbeit? 

Ich arbeite vorwiegend in Deutschland und plane meine aufwändigen Shootings mit längerem Vorlauf.  Insofern vertraue ich immer auf meine Blitzlichtanlage und arbeite fast ausschließlich Indoor. Bei uns ist das Wetter leider zu wechselhaft. Ich kann kein Model 1000 km entfernt buchen und dann wegen einer Regenfront das Shooting canceln. Outdoor geht bei uns nur, wenn Model und Fotograf spontan Zeit haben. Natürlich nutze ich bei schönem Wetter auch einen Sunbounce – aber dann eher Indoor am Fenster.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis als Fotograf?

Ein einzelnes Highlight gibt es nicht, jedes Shooting ist spannend auf seine Art. Ich fotografiere fast immer mit wechselnden Models an unterschiedlichen Orten. Mit nur ganz wenigen Models habe ich mehrmals gearbeitet. Das ist jedes Mal aufregendes Neuland für mich. Vielleicht schreibe ich darüber mal ein Buch!

Was macht für dich ein gutes Shooting aus?

Ich kann mich an fast jedes meiner über 250 Shootings erinnern, jeder Shot hat seine Geschichte. Wenn ich im Flow bin und es zwischen Model und mir funkt, will ich auch nach 1.500 Auslösungen nicht aufhören. „Ich kann einfach nicht mehr, ich bin kaputt und ausgelaugt“ höre ich dann oft. Das Model und ich haben dann am Folgetag einen üblen Muskelkater, denn ein gutes Bild verlangt Posen und Körperspannung, die nicht alltäglich sind. Manche Begegnungen waren richtig abenteuerlich und spektakulär, manche eher intim. Ich lerne dabei die verrücktesten Menschen kennen, mit denen man bei einem 9 to 5-Job nie in Kontakt käme. Das gilt für Models und Lokation Besitzer.

Worauf basiert dein Erfolg? 

Erfolg ist relativ. Und für jeden bedeutet Erfolg etwas anderes. Für mich sind es nicht die Klicks zu einem Bild. Auf die über 50 Pictorials im deutschen Penthouse Magazin oder die jahrelangen Kalenderveröffentlichungen bin ich wirklich mehr stolz. Aber in erster Linie freut mich das positive Feedback meiner Models, die sich entsprechend ihrer Vorstellungen dargestellt fühlen. Ich kitzele die Schokoseiten meiner Models heraus und schwäche ihre Schatten ab. Denn „no Body“ is perfect!

Danke Tom für das nette Gespräch!

Und wer mehr über Tom Rider wissen möchte, der schaut auf seine Website: www.tom-rider.com
oder unter instagram.com/penthousefotograf